Eine der großen Entwicklungen seit Einführung des WWW ist das RSS-Format. Warum nur wird es so wenig genutzt bzw. befindet sich seit Jahren auf dem Rückzug? Es ist daher an der Zeit, RSS einfach mal wieder aufs Podest zu stellen.
Bevor die zentralen Plattformen der (a)sozialen Medien mit algorithmusbefeuertem Doomscrolling die Leute in ihren Bann zogen, bot RSS (Really Simple Syndication oder Rich Site Summary) Anwendern deutlich mehr Kontrolle über ihren »Newsfeed«. Es war damals und ist auch heute noch die bessere Möglichkeit, eine »personalisierte digitale Zeitung« zu lesen.
RSS umfasst standardisierte XML-Formate (z. B. RSS 2.0, Atom), die von Websites und Podcasts genutzt werden können, um Interessierten einen Feed mit aktuellen Inhalten anzubieten – ohne, dass diese jede Seite einzeln ansteuern müssen.
Den Überblick behalten
Die »personalisierte digitale Zeitung« erstellt ein RSS-Reader, also ein Programm, das die maschinenlesbaren XML-Dateien der RSS-Feeds für das menschliche Auge übersichtlich aufbereiten kann. Hierzu braucht es oft keine zusätzliche Software, da auch gängige E-Mail-Clients RSS-Feeds verarbeiten können, etwa
- Thunderbird: (Anleitung zum Einrichten eines Feed-Kontos)
- oder Outlook: (Anleitung zum Hinzufügen von RSS-Feeds in Outlook).
RSS-Reader »RSS Guard«
Ein ausgefeilter Open-Source-RSS-Reader für die Nutzung am Desktop oder Notebook ist z. B. RSS Guard von Martin Rotter, der für Windows, Linux, BSD, und macOS erhältlich ist. Die Einrichtung nach dem Download bzw. der Installation aus einem Repository ist sehr einfach:

Nach dem ersten Start wird ein neues Konto angelegt. Ich arbeite mit einem lokalen Konto. Man erhält dann auch gleich einen Hinweis, dass die Feeds nicht allzu häufig aktualisiert werden sollten. zusätzliche Knoten sind nicht unbedingt erforderlich, schaden aber auch nicht. Anschließend werden die Feeds integriert.

Einbinden von Newsfeeds
RSS Guard bietet die Möglichkeit an, das Konto mit Beispielfeeds auszustatten:




Wer diese Seiten nutzt, kann damit starten, ansonsten können die Beispieleinträge auch als Basis für die eigene »personalisierte Zeitung« dienen. Um einen neuen Feed hinzuzufügen, genügt ein Rechtsklick in der entsprechenden Kategorie. RSS Guard sucht die RSS-Feeds einer Seite nach einem Klick auf »Entdecken« eigenständig. Aus der Auswahl muss man nur noch den passenden Feed importieren.


Alle Feeds können direkt nach Start des Programms automatisch oder per Klick auf die entsprechende Schaltfläche aktualisiert werden:


Voilà, schon ist sie verfügbar, die »personalisierte digitale Zeitung« mit Ressorts nach eigenen Vorlieben.

RSS Guard integriert auch einen eigenen Webbrowser, sodass inhaltlich gekürzte Feeds direkt im Programmfenster gelesen werden können.

Bei der Vorbereitung des Artikels durfte ich feststellen, dass immer weniger Seiten, speziell von Verlagen, RSS-Feeds zur Verfügung stellen. Das ist auf der einen Seite verständlich, da die Verlage kein Interesse daran haben, dass ihre Inhalte automatisiert abgegriffen werden, für potenzielle Website-Besucher ist diese Entwicklung jedoch bedauerlich. Daher plädiere ich dafür, dass die großen journalistischen Seiten wenigstens wieder einen allgemein zugänglichen, gekürzten RSS-Feed anbieten, vielleicht gibt’s dann auch den einen oder anderen neuen Leser bzw. Online-Abonnenten.
Heute ist übrigens Digital Independence Day / #DIDay, und RSS gehört für mich einfach dazu, um sich selbstbestimmt und ohne Beeinflussung durch Algorithmen der großen Plattformen zu informieren.
Alle Screenshots RSS Guard 4.86 / GNU/Linux mit KDE.